Ein Manifest für offene Software in der Wohnungswirtschaft
Warum wir Kastellio bauen — und wo die Grenzen dieses Versprechens liegen.
Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen denken in Generationen. Bestände werden über sechzig, achtzig Jahre gehalten. Mitgliedschaften werden vererbt. Verantwortung endet nicht mit dem Quartalsbericht.
Die Software, mit der dieser Bestand verwaltet wird, denkt in Exit-Horizonten.
Nach der Mitgliederbefragung des GdW zur Softwarenutzung arbeiten rund vier von fünf Mitgliedsunternehmen mit Systemen eines einzigen Anbieters. Dieser Anbieter hat 2024 seinen größten Wettbewerber übernommen und wurde unmittelbar danach an ein Konsortium von Finanzinvestoren weiterverkauft. Zeitgleich läuft der Support für ein System, auf dem ein erheblicher Teil des deutschen Wohnungsbestands verwaltet wird, zum 31.12.2028 aus.
Das ist kein Skandal. Das ist ein normaler Softwaremarkt. Das Problem ist, dass die Wohnungswirtschaft kein normaler Softwaremarkt sein sollte.
Wir glauben
Wer Daseinsvorsorge betreibt, sollte seine Werkzeuge kontrollieren. Nicht besitzen müssen — aber kontrollieren können. Prüfen können, migrieren können, im Zweifel selbst betreiben können.
Verfügbarkeit von Software ist keine Vertrauensfrage. Ein Versprechen ist kein Ersatz für einen Quellcode, den man hat. Vertrauen ist gut, Hinterlegung ist besser, offene Lizenz ist am besten.
Preise gehören auf die Website. Wenn ein Vorstand telefonieren muss, um zu erfahren, was Software kostet, stimmt etwas nicht mit dem Machtverhältnis.
Anwender gehören in die Governance. Nicht in einen Beirat ohne Stimmrecht. In die Satzung.
Software sollte Arbeit abnehmen, nicht Arbeit verwalten. Ein Wohnungsunternehmen mit dreitausend Einheiten beschäftigt Menschen damit, Post zu sortieren, Belege zu suchen und dieselben zwölf Mieterfragen zu beantworten. Das ist seit dreißig Jahren so, obwohl es seit zwei Jahren nicht mehr so sein müsste. Der Grund ist nicht Technik. Der Grund ist, dass die etablierten Anbieter an Nutzerlizenzen und Beratungstagen verdienen — und Software, die Arbeit abschafft, schafft ihren eigenen Umsatz ab. Wir haben dieses Problem nicht.
Wer handeln darf, muss sich erklären. Ein Agent, der einen Vorgang bearbeitet, protokolliert jeden Schritt mit Begründung, Quelle und Modellversion. Die Freigabe bleibt beim Menschen, und wie viel Autonomie ein Agent bekommt, entscheidet das anwendende Unternehmen — nicht der Anbieter. Automatisierung ohne Nachvollziehbarkeit ist nur eine neue Form von Abhängigkeit.
Und wir sind ehrlich über die Grenzen
Offene Software ist nicht automatisch besser. Sie ist nicht automatisch günstiger. Sie entsteht nicht von allein — jemand muss sie bauen, pflegen und dafür bezahlt werden. Deshalb gibt es hinter Kastellio ein Unternehmen, das Geld verdient: mit Hosting, Support, Migration und Zusatzmodulen. Das ist kein Widerspruch zur Offenheit. Das ist die Bedingung dafür, dass sie in zehn Jahren noch existiert.
Und dieser Text ist ein Vorhaben, kein Zeugnis. Was davon heute steht, ist wenig. Wir messen den Stand an acht realen Arbeitsabläufen einer Hausverwaltung; bei der letzten vollständigen Messung lief einer davon durch, und der mit zwei Medienbrüchen. Es gibt keinen einzigen Agenten. Der Trägerverein ist nicht gegründet, das Repository ist nicht öffentlich, ein Testat gibt es nicht, und die Datenübernahme reicht noch nicht, um ein Haus vollständig zu übernehmen. Wer wissen will, wie weit es wirklich ist, findet den Reifegrad jeder Funktion auf der Funktionsseite und die unangenehme Liste unter Über uns.
Wir schreiben das hierher und nicht ins Kleingedruckte, weil dieses Manifest sonst genau die Sorte Versprechen wäre, gegen die es geschrieben ist.
Was wir versprechen
Was wir versprechen, ist nicht, dass wir immer die Besten sind.
Was wir versprechen, ist, dass Sie gehen können, wenn wir es nicht mehr sind.
Unterzeichnet: [ Namen der Gründerinnen, Gründer und Gründungsmitglieder ]
Wenn Sie das mitzeichnen möchten oder widersprechen wollen: schreiben Sie uns. Beides ist uns lieber als Zustimmung im Stillen.
Migrieren müssen Sie ohnehin. Reden wir über den Weg.
Der Support für ein System, auf dem ein erheblicher Teil des deutschen Wohnungsbestands verwaltet wird, endet zum 31.12.2028. Wir sind heute nicht so weit, dass wir Ihnen diesen Wechsel abnehmen könnten — aber wir suchen die Häuser, die ihn mit uns vorbereiten. Wenn Sie zwischen 300 und 1.500 Wohneinheiten verwalten und bereit sind, ein System im Alpha-Stadium mit echten Daten zu erproben: schreiben Sie uns. Wir erzählen Ihnen ehrlich, was heute geht und was nicht.